Die Münzmühle

Die Münzmühle

Ein bisher nicht gehobenes Juwel süddeutscher Wirtschafts- und Kulturgeschichte.

Die Familie Sailer im schwäbischen Gundelfingen, seit einem halben Jahrtausend, noch vor der Reformation, der Erfindung des Buchdrucks und der Entdeckung Amerikas in Gundelfingen nachweisbar, erwarb im Jahre 1880 das Münzmühlgut, malerisch zwischen zwei Armen des Flußes Brenz gelegen, eine solide wirtschaftliche Grundlage über Generationen hinaus.
Über Jahrhunderte hinweg waren die Mühlen prägend für städtische Entwicklung und städtischen Lebens- noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts hätte niemand ausmalen können, dass diese Nahrungsmitteln erzeugenden Kleinbetriebe die ersten Opfer der Globalisierung werden würden.
waren diese Umbrüche in den Zeitläuften nicht schon folgenschwer genug, so taten auch die Zerstörungen des 2. Weltkriegs ihr Übriges.

Der irrsinnige und wahnsinnige Endkampf des verbrecherischen Regimes führte zu erheblichen Beschädigungen am Anwesen - noch in den letzten Kriegstagen ordneten die Nazis eine Brückensprengung an, welche das Gebäude an Substanz und Erscheinung erheblich zeichnete -
aufgrund der allgemeinen Not und schweren Zeit waren nur provisorische Reparaturen möglich -
und daran hat sich nie was geändert. Das von den Repressionen der Nazizeit und den Anfeindungen der Nachkriegszeit an Leib und Seele gebrochene Besitzerpaar war nicht mehr in der Lage, im Kampf um Recht und Entschädigung mit dem Behördenapparat des neu geschaffenen deutschen Weststaates sich auseinanderzusetzen. So verstrichen wichtige Fristen, und gingen Gelder verloren, die dringend zum Erhalt des einmaligen Gebäudeensembles gebraucht wurden, stattdessen hieß es mit zusätzlichen Beschwernissen wie dem Lastenausgleich zurechtzukommen, eine große Bürde für eine Familie, deren ganzer Besitz nur noch aus dem Dach über dem Kopf besteht.

Die ledigen, unverheirateten Töchter, die bis zu ihrem Tod im Elternhaus ihre Heimat hatten, wehrten jede Einmischung von außen beharrlich an, da sie hinter allem Begehrlichkeiten und Eigeninteresse vermuteten. Unleugbar ist die Liebe, die sie einem Kampf gegen Windmühlen gleich dem beinahe einer Schloßanlage ähnelnden Anwesen aufopferten: Noch hochbetagt wurde aus dem Kopfsteinpflaster des Hofes Unkraut gejätet, Lücken im Dach notdürftig mit allerlei Behelf gestopft und liebevoll die alten Fensterrahmen nachgemalt. Alles mit der bitteren Ungewissheit, dass gegen den Verfall im Ganzen nicht beizukommen ist und die Zeit gegen die geliebte Heimstatt arbeitet.

So steht die Münzmühle ortsbildprägend seit Jahrhunderten in Gundelfingen – ein einzigartiges architektonisches Zeugnis, in seiner Wichtigkeit als historische Quelle bis heute nicht gänzlich wissenschaftlich erschlossen – dass dies auch so bleiben kann, ist eine Frage der Sensibilisierung der Öffentlichkeit und Gewinner von Unterstützern die Willens sind, ein Gebäude zu erhalten, dessen Außengassage und noch vorhandene Mühlenausstattung eines der schönsten Zeugnisse
einer untergegangen mitteleuropäischen Wirtschaftskultur sind.


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